Kulturen des Wirtschaftens

Die Kulturstiftung des Bundes

Im föderalen System der Bundesrepublik liegt die Kulturhoheit, also die Zuständigkeit für Kultur und Bildung, bei den einzelnen Bundesländern, einen Kulturminister gibt es daher nur auf Länder-, nicht aber auf Bundesebene. Nicht erst seit der Wiedervereinigung wurde jedoch immer deutlicher, dass es kulturelle Projekte mit bundesweiter oder gar internationaler Bedeutung gibt, auf deren Gestaltung auch der Bund einen Einfluss haben sollte. So wurde 1998 das Amt eines Staatsministers für Kultur und Medien geschaffen und 2002 die Kulturstiftung des Bundes mit Sitz in Halle an der Saale gegründet.
Aufgabe der Stiftung ist die Förderung vor allem von innovativen Projekten zeitgenössischer Kunst und Kultur der Gegenwart, die in der Zuständigkeit des Bundes liegen, von nationaler Bedeutung sind und einen internationalen Bezug haben. Dies betrifft zum Beispiel internationale Kulturaustausche und grenzüberschreitende Projekte wie Theaterpartnerschaften oder gemeinsame Produktionen in- und ausländischer Theater.
Der Stiftung stehen jährlich ca. 38 Millionen Euro zur Verfügung. Kulturschaffende können Fördergelder beantragen für alle Sparten der Kultur (Theater, Literatur, Musik, Bildende Kunst, Film, Fotografie, Architektur, Neue Medien), wenn die Projekte innovative künstlerische Anregungen leisten und einen internationalen Bezug haben.

Die Projekte der Kulturstiftung - Beispiele

Die Kulturstiftung unterstützt auch weltweit so bedeutende und bekannte Projekte wie die Ausstellung moderner Kunst documenta in Kassel, das Berliner Theatertreffen, in dem die zehn bedeutendsten deutschsprachigen Theaterinszenierungen der Saison ausgezeichnet werden, die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst oder die Donaueschinger Musiktage, dem Festival zeitgenössischer Musik, auf dem überwiegend Uraufführungen präsentiert werden.

Herkömmliche Kulturarbeit kombiniert mit innovativen Verbreitungswegen werden zusammen mit dem Goethe-Institut in dem litrix.de-Projekt gefördert: Übersetzungen deutscher Gegenwartsliteratur in andere Sprachen werden mit bis zu 6.000€ unterstützt und Leseproben der entsprechenden Werke und deren Übersetzungen werden im Internet zum kostenloser Download angeboten.

2011 fördert die Kulturstiftung zum 200. Todestag des Dichters Heinrich von Kleist Ausstellungen in Heidelberg und Berlin, Theaterprojekte in Frankfurt an der Oder und Berlin, ein Theaterfestival in Berlin, szenische Konzerte in Düsseldorf und in der Schweiz und eine Hörspiel-Installation am Kleinen Wannsee in Berlin.

Innovative Projekte finden auch im Kleinen und für Kleine statt: Zur Vorbereitung auf die Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet (Essen) beteiligte sich die Kulturstiftung mit 10 Millionen Euro an dem nordrheinwestfälischen Projekt JeKi - Jedem Kind ein Instrument. Beginnend mit ca. 7.000 Kindern im Schuljahr 2007/2008 soll in mehreren Ausbaustufen mittelfristig allen ca. 170.000 Grundschülern im Ruhrgebiet mit Hilfe von Stipendien das zunächst kostenlose Erlernen eines Instrumentes ihrer Wahl auf kostenlosen Leihinstrumenten ermöglicht werden.

Die Kulturstiftung beteiligt sich finanziell auch an der Erforschung neuer Techniken zum Erhalt und zur Instandsetzung vom Zerfall bedrohter Objekte in Museen. Dazu gehört beispielsweise die Restaurierung historischer Tasteninstrumente, die sich im Besitz der Klassikstiftung Weimar befinden oder die Beschäftigung mit der Frage, wie historische Farben oder Papiere technisch für die Nachwelt erhalten werden können.

Kulturstifungen des Bundes und der Länder

Um die Kulturförderung effektiver gestalten zu können, gab es immer wieder Anläufe zu einer Fusion der Kulturstiftung des Bundes mit den Kulturstiftungen der Länder, derartige Versuche scheiterten jedoch immer an den unterschiedlichen Auffassungen über die Finanzierung und die Verteilung der Kompetenzen. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte man sich nur über weitgehende Kooperationen einigen.